Das Größte für die Kleinen: festliche Kinderkleider
Ob Geburtstage, Hochzeiten, die katholische Erstkommunion oder eine jüdische Bar Mitzwa: An Feiertagen werden in allen Kulturen und Ländern Kinder ebenso fein herausgeputzt wie die Erwachsenen.
Schon lange hat sich eine eigenständige Industrie um diesen Absatzzweig herum entwickelt. Wo früher Schneidermeister zusätzlich zu, oder besser, neben ihrem herkömmlichen Tagesgeschäft auch Festkleidung für Kinder nähten, existieren heute ganze Fabriken, die sich nur darauf spezialisiert haben. Das berühmteste Beispiel in westlichen Ländern ist wohl die „Erste Heilige Kommunion“ der katholischen Glaubensrichtung. An diesem Tag tragen Jungen – meist zum ersten Mal in ihrem Leben – feine Anzüge. Die wahren Hingucker an diesem Tag sind jedoch die Mädchen, die sich in schneeweißen Kleidern präsentieren. Im Lauf der Zeit haben sich diese Kleider zu regelrechten Kunstwerken aus Spitze und Seide entwickelt – so verwundert es auch nicht, dass so manches Kommunionkleidchen einem edlen Hochzeitskleid in nichts nachsteht. Wie bei Hochzeitskleidern werden Kommunionskleider auch nur an diesem einen Tag getragen. Unter ökonomischen Gesichtspunkten sind die Eltern von Jungen also klar im Vorteil, da sich der Anzug auch zu anderen Gelegenheiten tragen lässt – bei Preisen von 150€ bis 250€ ein nicht unwichtiger Faktor.
Vor dem Hintergrund dieser Preise versuchen manche Eltern die Festkleidung sogar selber zu nähen – doch davon sei selbst handwerklich begabten Eltern abgeraten! Selbst wenn man ein einfaches Schnittmuster findet, ist ein Gelingen eher Glückssache. Meist scheitert es schon an der nicht vorhandenen Schneiderausrüstung – denn es braucht mehr als eine gute Nähmaschine. So ist eine Schneiderpuppe zum Beispiel unersetzlich und auch die schlägt schon mit einem Preis von etwa 80€ zu Buche. Da die Kleider nicht einfach nur aus Baumwolle bestehen sollen, werden teure Stoffe wie Seide und feines Leinen gekauft, die gut und gerne zwischen 30€ und 80€ pro Meter kosten können. Hier darf man sich beim Zuschneiden keine Fehler erlauben, denn jeder falsche Schnitt vernichtet Geld. Deshalb sollte man das Geld lieber in fertige Kleider als in Stoffe investieren. Und wer wirklich ein absolutes Unikat für sein Kind will, sollte bei einem Schneidermeister anfragen – da kann man dann auch sicher sein, dass die Arbeit gut wird.
Bei aller Schönheit der Kleider und Besonderheit des Tages können es Kinder und Eltern manchmal übertreiben. Dies geschieht in der Regel bei kleinen Mädchen. Oft sind es die Mütter, die ihre eigenen Vorstellungen und Ideale auf das Kind projizieren. Dem zugrunde liegt der Wunsch, dass es dem Kind an nichts mangeln und dies der schönste Tag des jungen Lebens sein soll. Neben edlen Kleidern werden die Mädchen mit teurem Schmuck versehen, immer mit der Ermahnung, diesen nicht zu verlieren. Noch vor der Feier kommt eine Friseurin, die nicht selten über eine Stunde für eine kunstvolle Frisur benötigt – gerne wird auch schon Make-up aufgetragen. Am Schluss der Prozedur sieht das Mädchen tatsächlich aus wie eine kleine Prinzessin, ist aber vollkommen erschöpft und steht innerlich unter einem großen Druck, nichts falsch zu machen und Mutters großen Tag nicht zu ruinieren. Andererseits können Kinder auch überzogene Forderungen an die Eltern stellen, was diese unter Druck setzt.
Um solche Enttäuschungen zu vermeiden, sollten sich die Eltern vorher mit ihren Kindern unterhalten. Wie stellen sich die Kleinen den großen Tag vor? Wie soll die Kleidung aussehen? Kurz: Was will das Kind? Was ist machbar?
03.08.2010